Heinrichs Heimatseite

lactose-, gluten-, bio- und esoterikfrei    

Andere Texte


  Vogel-(Vögel)-Grippe

 

 

Als ich vor einigen Tagen meine Kuckucksuhr zunagelte, wandte mein Wellensittich seinen Kopf nach links und äugte mich rechtsseitig so an, wie ich es immer schon nicht gut vertragen konnte. Aber dieses Mal war ein Anlaß gegeben, der eben auch ihn betraf. Vogelgrippe. Ich erinnere mich nicht, ihn je krank erlebt zu haben.                                                                                                                                                    Habe ich ein Signal verpaßt, muß ich mich neu orientieren? Soll ich kleinere Brötchen backen, mich auf einen Mikrowellensittich oder einen Ultrakurzwellensittich einstellen? Das sind Fragen, die mich tagsüber beschäftigen und auch in die Nacht hinein nicht loslassen. Traumgefährdung ist angesagt, und das wäre am schlimmsten. Neulich träumte mir  von einem Mitbürger, der sich auf seine obszöne Art zu dem Problem äußerte: „Für die Hühnerficker fangen schlechte Zeiten an.“  

Im Traum mochte ich ihm zustimmen, aber nach dem Aufwachen wies ich seine Aussage natürlich strikt zurück und legte eine Runde Empörung ein. Dieser mögliche Übertragungsweg sei abgehakt, weil Hühner nicht sprechen können und Huhnophile selten Menschenfrauen besteigen.

Nun meldet sich mein polyglotter Beo und betitelt mich als Arschloch, da ich ja wohl den Geflügelten die Schuld zuweisen wolle. Recht hat er (sie). Warum haben Vögel keine Titten? Wohl, weil  Hähne keine Hände haben…

In Hamburg sind seit geraumer Zeit die Eros-Center geschlossen, eben wegen der Vögelgrippe. Ungeahnte Perspektiven eröffnen sich, mögliche Folgerungen sind noch nicht absehbar. Das erste Säugetier ist an der Vogelgrippe verendet, ein Kater. Sein Besitzer bemerkte eigenartiges Verhalten wie Im-Kreis-Laufen und sperrte das Tier weg. Am nächsten Tag fand er es verendet vor. Eine Obduktion offenbarte dann die Infektion. So wird dann wohl auch das deutsche Spruchgut umgeschrieben werden müssen, nach dem es bisher hieß, die Katze – und somit auch der Kater – lasse das Mausen nicht. Künftig wird man ihr (ihm) nachsagen müssen, sie (er) lasse das Vögeln nicht. Tiefgreifende Änderungen auch anderer Art stehen uns bevor. Zwei weitere Feliden sollen auf Rügen dem Vogelgrippe- Erreger zum Opfer gefallen sein…Wir werden unsere Ernährungspläne umstellen müssen. Galt Geflügelfleisch – abgesehen von den zahlreichen Salmonellen- Intermezzi – zwischendurch als grüner Bereich, muß auch hier relativiert gedacht werden. Was dem Kater billig war, könnte den Homo Sapiens teuer zu stehen kommen. Überleben die BSE-Prionen 380° Celsius (wer kann schon so heiß kochen?), ist über die Temperatur-Toleranz der Vogel-Vögel-Grippe-Viren noch zu wenig bekannt. Aber wir sind flexibel, haben wir doch inzwischen Alternativen. Schweinepest und Geflügelpest haben sich wieder gemeldet. Beide sind wohl nicht auf den Menschen übertragbar, erhöhen jedoch nicht unseren Appetit.  

Und da ist nun auch neuerdings noch EHEC. Damit ist den militanten Vegetariern der wichtigste Trumpf aus der Hand gefallen. Ohne Trumpf jedoch kein Triumph...

 

 

Leben


 


 

„Nein, tu es nicht!“

Erschrocken hielt das Mädchen an der zweiten Querstange der Reling inne auf seinem Weg.

„Tu es nicht!“ wiederholte der Alte hinter ihr, diesmal ruhiger und leiser, aber nicht weniger fordernd.

„Siebter, achter Monat? Oder schon weiter?“

Die junge Frau stieg wie in Trance herab, stand mit beiden Füßen auf den Decksplanken und schaute dem alten Mann blicklos ins Gesicht.

„Du bist auf einer Fähre, hast die Passage bezahlt und willst nicht ankommen? Erklär’s mir.“

Anita wollte etwas sagen, öffnete den Mund.  Aber es kamen keine Worte.

„Du willst nicht ankommen.  Aber es will ankommen.“ 

Der Alte wies auf ihren gewölbten Leib. „Er oder sie will ankommen, bald – wohl sehr bald.“

„Was will der Mann? Daß ich nicht springe? Weshalb – was gehe ich ihn an? Wen gehe ich etwas an?“

Als dächte sie selbst weiter, fuhr der Alte fort:

„Dein Leben liegt in deiner Hand, meinst du. Und niemanden sonst geht’s was an. Gottes Hand sei leer, magst du denken. Doch würdest du nicht allein springen, ein zweites Leben mitnehmen, das erst beginnen will.“

„Ich kann und mag nicht mehr“, sagte Anita endlich.

Sie sah dem altenMann in die Augen und die Traurigkeit darin.

„Vor zehn Jahren konnte und wollte meine Tochter auch nicht mehr…“


 

(HeinrichBaumgarten, 23.10.2009)


 


 

Ein Hundemärchen


 

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Caniphile.

Sie liebte Hunde über alles, was wohl auch an ihrem Namen lag. Den ganzen Tag saß sie auf ihrem Lehnstuhl, in Gesellschaft zweier Hunde. Der eine hieß Charlie und war ein brauner Dackel. Er war an kurzer Leine mit einem Ring verbunden, der hinter Caniphiles Lehnstuhl in die Wand eingelassen war. Noch sieben solcher Ringe steckten in den Wänden des Zimmers, doch ohne Leinen, ohne Hunde. Ein zweiter, weißer Dackel ohne Namen stand vor Caniphiles Stuhl, an einer längeren Leine angebunden, in deren Halteschlaufe das rechte Hinterbein von Caniphiles Stuhl stand.

Beide Hunde schwiegen beharrlich – kein Gebell, kein Winseln kein Knurren kam über ihre Lefzen.

„So, ihr Hunde“, hub Caniphile an, „ihr seid langweilige Zimmergenossen. Ich habe mir die Wohngemeinschaft mit euch anders, hundeakustisch intensiver, vorgestellt. Ich werde jetzt dich, Charlie, losschicken, euch und mir geselligere Mitbewohner zu suchen. Ich gebe dir eine Stunde Zeit.“ 

Damit erhob sie sich schwerfällig (denn sie war kein leichtes Mädchen) vom Polster ihres Lehnstuhls und löste des Dackels Leine aus dem Wandring. Charlie verließ eilig den Raum; denn die Tür stand, wie immer, offen – und verschwand.

Eine Stunde war vergangen. Kein Charlie kam zurück, geschweige denn unterhaltsame hündische Gesellschaft. Caniphile runzelte die Stirn, was sehr lustig aussah; denn sie war – wie gesagt – ein wenig schwer für ihr Alter.

Plötzlich öffnete der namenlose Hund die Schnauze und sprach, zu Caniphiles Überraschung:

„Liebes Frauchen Caniphile, wunderst du dich nicht allmählich selbst über die vielen leeren Leinen-Anker an den Wänden? Acht waren mal besetzt mit Hunden. Mich hast du an deinem Stuhl angeleint, weil keiner mehr frei war. Wir alle haben still gewartet, daß du endlich mal aufstehst und mit uns Gassi gehst. Aber du hast immer nur faul dagesessen. Und da sind wir so traurig geworden, daß wir gar nichts mehr sagen mochten. Und dann hast du einen nach dem andern von uns losgeschickt, dir Gesellschaft zu besorgen.“

Caniphile schlug sich an den Kopf und rief: „Ach so!!!“

„Ja, ach so“, entgegnete der namenlose Hund, „ist das alles, was dir dazu einfällt? Jetzt hast du nur noch mich. Aber ich mache dir einen Vorschlag. Wir Hunde haben, als du schliefst, etwas abgemacht. Wenn du versprichst, mit uns regelmäßig auszugehen, dann bleiben wir hier. In meinem Halsband ist eine Hundepfeife versteckt. Wenn du willst, kannst du die anderen damit zurückrufen.“

So geschah es. Caniphile blies, alle Hunde kamen zurück, und dann gingen sie gemeinsam nach draußen. Die Hunde brachten Caniphile wieder das Gehen bei. Und es machte ihr Spaß!

Wenn ihr mal ein schlankes, sportliches Mädchen mit neun Hunden irgendwo trefft, dann dürft ihr Caniphile zu ihr sagen…

                                                                                                                       


 

Salderatzen, 15.11.08


 

Ich – ein Möbelstück! (?)


 

Wenn ich mich denn vermöbeln soll,so will ich mir rechtzeitig überlegen, was ich werden soll. Nach meinem Willen und Entschluß. Nicht, daß mir später Klagen kommen von mir selbst und über mich. Ein Barockschrank werden wollen, aber nur gerade genug Holz für einen Hocker mitbringen. Großkotz, Hybris-Junkie.

Überhaupt – Schrank? Hocker als bescheidenere Alternative? Nesthocker, Nestflüchter? Assoziativer Chaot, ach ja.

Sitzmöbel: Bedenke, dass du dann dafür arbeitest, anderen Muße zu schenken.. Helfersyndrom für Sesshafte und Sitzgrößen, Sesselhocker.

Sitzbank vielleicht eher. Du darfst Härte zeigen und verkürzest die Verweildauer deiner Be-sitzer. Abwandlungen für Stuhl, Couch, Sofa & Co. Denkbar, aber wenig ergiebig.

Und Tisch? Auf den etwas kommt, an den man sich setzt, an dem (gesetzt, du bist rund) große Dinge zur Verhandlung kommen? Unter den etwas fällt, so dass du dann Unwichtiges bedachst und bedeckst?

Nein, dann doch eher gleich Teppich, unter den manches gekehrt wird? Auf dem alle bleiben sollen? Der als Orientale fliegen kann? Ich weiß nicht recht…

Als Möbel mach den Kopf mobil, laß ihn so bleiben und wähle weiter – nein, erst weiter überlegen.

Könntest du Spiegel sein? Dann lernst du viele Leute kennen, bekommst sie zumindest zu Gesicht und darfst Zeuge ihrer Eitelkeit, Betroffenheit werden. Doch bleibt dir nichts von ihnen – wie dem Sofa eine Einbeulung, dem Tisch ein Fingerabdruck, Fett- oder Kaffeefleck. Ob Abdruck oder Abbild – sehr fern, sehr weit weg von Originalem. Nicht sehr originell.

Sei es dann ein Ofen, der du sein magst? Ein Wärmespender, Mittelpunkt des gemütlichen Beisammenseins von Menschen? Doch vor die Wärme hat die Physik das Brennmaterial gesetzt, das man zuhauf in dich hineinstopft, auf dass du das Glühen lernst, bis dir die Asche aus dem Kasten staubt. Hm, je nun.

Was könnte dich denn wirklich reizen, Diplomskeptiker? Ein jedes Für verkommt bei dir zum Wider. Gib’s zu – sehr wählerisch und mäkelig gibst du dich. Oder bist du’s tatsächlich? Ich kenne dich und weiß daher, du bist immer gut für eine neue Überraschung.

Eine Lampe. Eine Lampe? Hänge-, Steh-. Decken-, Nachttischlampe? Lampe über der Haustür, Gäste zu begrüßen oder ihnen heimzuleuchten? Nein.

Dienstbarer Geist im Spül- und Waschgeschäft, ganz in Weiß und elektrisch, dreimal A in der Effektivität? Du kannst, du willst dich nicht entschließen, entscheiden. Du schiebst hin und her von Plus zu Minus, von links nach rechts, vom Ja zum Nein, bist eriwanisch prinzipiell. Ja – aber; nein – aber, doch kein Sowohl-als-auch.

Kauf dir nicht ständig den Schneid selber ab, sonst bist du bald pleite, und deine Möblierung geht den Weg alles Vergänglichen in die Lagerhalle eines Entrümpelungsunternehmens.

Nicht ein Möbel – nun weiß ich’s – will ich sein, sondern ein komplettes Mobiliar, eine Ausstattung. Stilistisch variiert – von allem ein wenig. Nicht perfekt durchstylt. Perfezione corrompe – Perfektion verdirbt. Du bestehest aus Barock – auch Gelsenkirchener -, Biedermeier, Louis-Seize, Jugendstil, Nierentischchen-Optik, Luigi Colani und Otto-Versand. Und als Tüpfelchen auf dem Identitäts-i darf’s ein Art-Déco-Objekt der zeitgeistigen Strömung durchaus sein…


 


 


 


 

Omasorg-Theater


 

„Findest du diese Lampe wirklich passend zur Sitzgarnitur?“

Renate hielt große Stücke auf sich, auf ihren Geschmack, eine gute Mutter und Schwiegermutter zu sein. Großmutter sowieso.

Warum nur hatte ihr Sohn gerade diese Frau geheiratet? Sie würde es wohl nie verstehen.

Natürlich ging sie das eigentlich nichts an.

Leicht irritiert bemerkte Carola, daß ihre Schwiegermutter an der gestickten Tischdecke zupfte. Geschenk zur letzten Weihnacht. Sie hatte sie zum ersten Mal aufgelegt in ihrem sonst deckenfreien Haushalt.

„Meinst du nicht auch, daß dein Mann zuviel arbeitet?“

Er heißt Gregor, dachte Carola.

„Ihr könntet euch mal wieder ein langes Wochenende gönnen. Städtereise Wien, Paris, London. Das Internet ist voller Schnäppchen. Ich nehme die Kinder gerne wieder zu mir.“

„Danke, Mutter, aber…“

„Ihr solltet wirklich mal dringend ausspannen. Es würde meinem Sohn gut tun, mal ohne Kinder.“ Wieder dachte Carola den Vornamen.

„Aber mit mir, oder?“ Sie konnte dabei ein wenig lächeln.

„Natürlich, was sollst du hier zu Hause allein rumsitzen?“

„Natürlich.“

Wie meistens, wenn seine Mutter zu Besuch war, hatte ihr Mann etwas Dringendes zu erledigen. Diesmal ging es um die Baumarkt-Pergola, die er zusammenschrauben mußte.

„Wir würden gerne die Kinder dabei haben, und wenn es auch nur für eine Woche Urlaub reichte. Aber jetzt, in der Schulzeit…“

„A propos Schule – aus meiner Erfahrung als Pädagogin weiß ich, daß ihnen etwas Abstand von euch den Druck nehmen würde bei eurer Hausaufgabenkontrolle. Ich kümmere mich darum, und bei mir funktioniert das reibungslos. Aber wozu sage ich das überhaupt.“

Ja, dachte Carola, wozu überhaupt.

Die Schwiegermutter fuhr fort: „Ich werde dann gleich mal mit meinem Sohn sprechen, wenn er mit seiner Arbeit fertig ist. Er baut euch so ein schönes Heim.“

Carola fröstelte es. Die Kontrolle drohte, von der ersten auf die folgende Generation

 durchzusickern.


 


 

(Heinrich Baumgarten, 25.10.2009)

 

 


 


 Bildbetrachtung bäumlings


 Genmanipuliertes, aber sympathisches Holzmonument!

Einäugiges Nashorn heißt du bei mir, denn zweifelsohne hast du nur ein linkes..

Dich als Nashorn zu erkennen, war mir einfach; denn du wirkst einfach nashornschädelig. 

Das ist nicht schädlich, aber gestatte mir, zu deinem Design einige Fragen zu stellen beziehungsweise deinem Designer einige Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.

Ist es nötig, dass du außer dem fehlenden rechten Auge völlig deplazierte Ohren bekommen hast? Eines dient dir – anstelle des namengebenden Horns - als integrierte Gesamtnase, während das andere dir recht unmotiviert aus der rechten Wange hervorragt. Aber vielleicht versteht man das ja heutzutage unter hervorragendem Design…

Ein Blick in deine Mundhöhle weckt Höllen-Assoziationen. Recht wackelig schaut es dort aus, und die wenigen Kuchenzähne, die da von oben nach unten ragen, erinnern mich an einen Hai, der vergessen hat, die nächste Zahnleiste hinunterzuklappen, um wieder Biss zu erlangen. Es wäre viel an dir – für dich – zu tun; aber wer traut  sich , dich anzufassen und den Versuch einer Optimierung zu unternehmen?

Ich nicht, auf keinen Fall jedenfalls.

Aber einer musste dir ja mal sagen, wie du auf ihn wirkst. Sympathisch…

Vorsorge


 


 


 

Der Internist lächelte seinen Patienten an. „Das war es wieder mal. Alles in Ordnung mit Ihnen. Wenn Sie sich nun noch etwas Gutes erweisen wollen, stellen Sie das Rauchen ganz ein. Sie tun damit eh nur der Tabakindustrie und dem Finanzminister einen Gefallen.“

„Klar, Dr. Gröbel, aber ein kleines Laster muß der Mensch doch haben. Wenn wir zu alt werden, plündern wir die Rentenkasse und verderben’s mit unseren Nachkommen.“

Der Arzt schmunzelte. „Wir sehen uns dann im nächsten Jahr wieder. Sie werden rechtzeitig angeschrieben.“

Vor der Praxis zündete sich Felix eine Zigarette an, halb erleichtert, halb zur Belohnung.

Er registrierte einen dumpfen Knall, drehte sich zur Fahrbahn und sah das Autorad, das sich rasend schnell auf ihn zu bewegte, von der Bordsteinkante hochgeschleudert wurde und ihn

am Kopf traf. Er war sofort tot, kerngesund.


 


 


 

(Heinrich Baumgarten, 26.10.2009)

 

 

Es ist nie zu früh herauszufinden, welcher Finger an der Hand der längste ist. 

Wer hat den Längsten -alte Pubertätsübung der Y-Chromosomer.

Und wenn dann noch ein Böhmermann im Böhmerwald die Axt schwingt und den Mythos der Authentizität dem Boden gleich macht, dann sind auch die Techniker der konkurrierenden Anstalten des Öffentlichen, Gebührenpflichtigen, eingeschnappt. Daß stehende Bilder schon lange nicht mehr verläßlich sind, wußten wir schon. Aber daß sie nun nach dem Laufen auch das Täuschen gelernt haben, verblüfft die ausgebuffte Branche.

Daß Nikita Chruschtschow bei der UNO nicht mit dem Schuh aufs Rednerpult geschlagen hat, ist inzwischen erwiesen. Aber das war noch analoge Fotomontage, die leichter nachzuweisen war. 

Heute sind wir digital. 

Digitus = der Finger. Digitus olens = der stinkende Finger. 

Fingerzeige sind heute nötiger denn je, um den BLÖD-Lesern zu suggerieren, daß man auch VarouFUCKIS sagen könnte... 

--

Von Blogger am 3/20/2015 07:50:00 nachm. unter 

Ich will mich nicht "bloggieren"

 eingestellt

 

 

 

 

Aus "BOSHEITERKEITEN", 1994

     

Wie ich mir meinen Nachruf denke

 

Wer hätte das gedacht?

Jetzt sagt er nichts mehr, und das wird auch so bleiben.

Keine Witze, keine passenden oder unpassenden Bemerkungen, kein Geläster.

Wer ihn kannte, weiß, daß ich das jetzt sagen darf. Humor hatte er ja gelegentlich, und bei ähnlichen Anlässen wie dem heutigen sagte er schon mal respektlos: „Kiek mol, Hannes hett nu ook de EJZ afbestellt!“ Grinsen wird er, wenn er mich jetzt hört, und das sollte uns alle freuen.

Wir hätten ihn gerne noch eine Weile bei uns gehabt, aber „wat nich iss, dat iss nich un kann ook nich sien.“

 

Kotauziehen in Berlin 

 

 

Die "Affäre Böhmermann" entlarvt die herrschende Prinzipienuntreue der Kanzlerin und ihres Kabinetts. Wenig nettes, aber aufschlußreiches Kabinettsstück.  

Leider werden sich Pegida und AfD von der allgemeinen Empörung ein riesiges Tortenstück einheimsen... 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Episode



Ich sehe den kleinen vierjährigen Heinrich, wieder einmal allein zu Hause.

Es muß spät abends oder nachts gewesen sein, da er uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und Hoheit über die gesamte Wohnung genoß und auskostete.

An diesem Tage hatte er vor, Mutters kleine Wunderkristalle näher zu untersuchen. Sie wurden in der Küche aufbewahrt in einem kleinen, runden Döschen, das - soweit er sich nun erinnert - mit glänzend-buntem Papier beklebt war. Etwa streichholzschachtelgroß, aber eben rund.

Die besagten darin befindlichen Kristalle waren violett, und sie strömten einen starken Geruch aus, den er nirgendwo anders erlebt hatte.

Wenn Mutter Fleisch aufbewahren wollte, tat sie es in eine Emaille-Schüssel, bedeckte es mit Wasser und fügte dann, vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger, die kaum in das Döschen passen wollten (denn Mutter hatte recht große Hände) eine winzige entnommene Menge der Wunderkristalle dazu.

Augenblicklich färbte sich das Wasser tief violett, so daß vom Fleisch in der Schüssel kaum noch etwas zu sehen war. Es gab wohl noch keinen Kühlschrank in ihrem Haushalt, oder es war halt eine von Mutters Hygiene-Marotten, die sie den chemischen Weg wählen ließ.

Heinrich war vorsichtig, denn er argwöhnte, daß sein Untersuchungsobjekt in mancherlei Hinsicht mächtig war. Die Färbekraft, der starke Geruch, das kantige Gefühl zwischen den Fingern. Jetzt fehlte nur noch das Geschmackserlebnis zur vollendeten Sinnenfreude.

Also ins Bad mit der Probe - wie damals mit der Leimflasche, die auf den Fliesen umkippen durfte und ohne Nachwirkungen, weil spurlos gereinigt werden konnte, für den Jungforscher blieb.

Vor das Waschbecken gestellt, Fingerspitze mit Wunderkristall vorsichtig auf die Zungenspitze gegeben - dann Brechreiz der ersten Sorte.

Heute weiß Heinrich, bei der Substanz handelte es sich um Kaliumpermanganat, KMnO4. Zwei Metalle und vier Sauerstoff-Ionen in der Verbindung. Daher der metallische Geruch und der widerliche Geschmack. Und die desinfizierende Wirkung des Sauerstoffs.

Mund gründlich gespült, Waschbecken entfärbt, Hände geschrubbt - gerettet...




Wahlkrampf-Gewusel in den USA


Nun, wir wissen schon lange, daß Politiker sich verkaufen lassen wie Shampoos oder Autos, Tampons oder Whiskey.

Doch was die gegenwärtige Kampagne der Präsidentenwahl betrifft, erleben wir alle ein Novum. Zwei unbeliebte Kandidaten - einer davon erstmalig ein weiblicher - stehen einander gegenüber. Eine Streberin und ein angeblich superreicher Prolet.

Über letzteren äußerte sich vor Wochen eine Amerikanerin: "Seit ich Donald Trump erlebe, kann ich verstehen, was sich vor 80 Jahren in Deutschland vollzogen hat."

Nun denn. Wir hoffen mit der Welt, daß der Schnupfen als kleineres Übel die Cholera besiegt...



 

 

 

 







Did he really say "You rumpsteak" ?