Heinrichs Heimatseite

lactose-, gluten-, bio- und esoterikfrei    

Requiem für Omas Sprüche

 

 


 

Was würde sie wohl sagen, unsere liebe längst Verblichene, könnte sie noch einmal einen Blick auf unsere Zeit werfen?

Ich habe meine Vorstellungen...
 


 


 


 

Wes Brot ich eß, des Lied ich sing


 

Früher haben wir lange nicht verstanden, was damit gemeint war. Aber nun sind wir schlauer und haben mehr Erfahrung.

Ja, Oma - aber damit ist die ganze Sache nicht einfacher geworden. Eher schwieriger sogar. Kannst Du Dir und uns erklären, warum unser Bundestag nicht sagen will, welchen Lobbyisten er die Karten gegeben hat, mit denen die jederzeit in das "hohe Haus" dürfen? Irgendeinen Grund muß das doch haben. Wenn wir da reinwollen, müssen wir uns lange vorher anmelden und dürfen auch nur eine bestimmte Zeit dableiben.

Ich denke mir, die Lobbyisten bringen immer irgendwas mit, worüber sich die Volksvertreter ganz doll freuen. Brot wohl nicht gerade, aber was drauf.

Und das war schon lange so. Weißt Du noch, als uns die Butter schlecht gemacht wurde? Cholesterin! Wir sollten nur noch vielfach ungesättigte Fettsäuren aufs Brot... Erst viel später kam raus, daß der damalige "Fettpapst" für sein Gutachten von der Margarine-Industrie bezahlt worden war. Und die Brötchenausträger von der Pharma-Industrie brachten auch gleich ganz viele Medikamente mit, die man schlucken mußte, um das böse Butterfett wieder loszuwerden.

Aber inzwischen weiß man, daß Cholesterin, wenn man zuviel davon mit sich rumträgt, von den Genen kommt, genauso wie die Augenfarbe oder Opas Nase, die ich geerbt habe.

Überhaupt, das mit dem Essen. Fressen könnte man sagen, wenn man sich die Leute so ansieht. Nach dem Krieg, als alles so knapp war, hast Du da einen gekannt, der zuckerkrank war oder was mit der Galle hatte? Siehste. Und als ich zur Schule ging, konnte sich einer mit Heuschnupfen für Geld sehen lassen. Aber heute? Allergien. Pollen-, Staub-, Hunde- und Katzenhaar-Allergien, Lactose- und Glutenunverträglichkeit und was es sonst noch so alles an Behinderungen gibt. Antibiotika im Tierfutter machen Mittel unwirksam, wenn wir mal was Ernstes haben, und die Industrie kann und darf sich wieder was Neues ausdenken. Das kommt alles von dem Brot, das dauernd in den Bundestag gebracht wird - oder von dem, was draufkommt oder dem Geld, wofür man sich auch andere Sachen kaufen kann, die nicht unbedingt eßbar sind.

Tja, aber das ist alles Wachstum irgendwie. Aber nicht da, wo es nötig wäre, sondern hier bei uns. Und wenn immer gesagt wird "Brot für die Welt", dann denken viele eben: "...aber die Wurst bleibt hier!"

So, das mußte ich Dir heute doch unbedingt mal erzählen...


 


 


 


 


 

 





 

Denk Dir - das stand heute in der BLÖD-Zeitung. Am Valentinstag 2015! 


 


 


 


 

Also, da hört aber der Spaß auf!


Ach, Oma, Du hast doch gerne gelacht. Und ganz besonders über die Geschichten von Klein Erna.

Die sollte doch mal ne Urne vom Krematorium abholen und kam dann nach zwei Stunden ohne zurück, weil sie'n Krämer Meier, 'n Krämer Knapp und 'n Krämer Sievers gefunden hätte, aber keinen Krämer Torium.

Hast Du drüber gelacht, weiß ich noch ganz genau. Aber die Geschichte ging ja noch weiter. Als man ihr alles erklärt hatte, und sie mit der Urne unterwegs nach Hause war (Februar, Glatteis!), sagte sie - nach dem dritten Sturz: "So, dschetz is Schluß mit die Pietät, nu wird geßßtreut!" Da hast Du nur noch büschen gegrinst, ham wir auch gesehen. Und gesagt hast Du: "Also, da hört der Spaß aber auf!"

Tja, was nun? Im Garten gibt's ja kein Glatteis, aber die Asche kommt doch raus aus der Urne. Das ist jetzt amtlich, gesetzlich. Und Gesetze haben ja oft mit Pietät und so nix zu kriegen. Gesetz ist Gesetz (auch so ein Spruch von Dir), und wenn einer tut, was er darf, dann kann das doch nur in Ordnung sein, oder? Den Kopf schütteln kann man ja trotzdem immer, wenn man meint, daß was nicht paßt und wenn man das selbst anders machen würde.

Aber heute wird so viel anders gemacht, als einer sich das vorstellt, und da kämst Du aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Du weißt doch, wie Opas Wackeldackel auf der Hutablage damals...

Aber laß man - ich denke, die "Totenruhe", die so oft zitiert wird, haben alle, die tot sind - auch wenn neben dem Friedhof eine Disco aufmacht oder dauernd die Flugzeuge drüberdüsen.

Und die Asche? "Friede seiner Asche" heißt es. Egal, wo die sich befindet...


 


 


 


 

Jeder ist seines Glückes Schmied


 


 


 


 

Weißt Du noch, wie Du manchmal den Kopf geschüttelt hast, wenn ich Deine Sprichwörter durcheinander- gewirbelt habe? "Wie man sich bettet, so schallt es heraus" oder "Liebe deinen Nächsten, solange er warm ist", "Schmiede das Eisen wie dich selbst".

Erst, als ich sagte: "Man soll den Teufel nicht vorm Abend mit der Flinte ins Korn malen", wurdest Du einmal richtig böse, und dann habe ich mich zusammengenommen. Für eine Weile.

Aber jetzt, beim Schmieden, denke ich an das Glück und was man dazu tun kann, es zu erreichen.

"Glück und Glas, wie leicht bricht das" - vor allem, wenn man an Hammer und Amboss denkt, die man beim Schmieden braucht. Aber alles hängt irgendwie miteinander zusammen, und wenn ich an unsere gemeinsame Zeit denke, komme ich immer von Hölzgen auf Stöcksken. Stammt auch von Dir.

Aber nun kommt ja noch das dazu, was man schmieden will, das Material sozusagen. Das kann ich selbst sein (s. obige Blödelvariation); aber meistens ist es wohl Stahl. Oder war es mal. Was geblieben ist, ist der mit dem Hammer und der Amboss, auf den er draufhaut. Was da liegt, ist egal. Immer feste druff! Manchmal kann das sehr zweckmäßig und erleichternd sein...



 


 

Aber wenn ich den Eindruck habe, daß immer öfter Menschen auf dem Amboss liegen und ein anderer Mensch den Hammer schwingt, dann wird mir ganz anders zumute, und ich vermisse jede Verbindung mit Glück und dem, was einer selbst dazu beitragen kann. Vielleicht empffindet ja nur der Hämmerer etwas, das er für sein Glück hält, wenn er auf andere einschlägt. Aber in Wirklichkeit muß er doch ein ganz unglücklicher Mensch sein, oder?

Aber immer mehr Menschen scheinen auf andere einzuschlagen. Frauen auf Männer, Männer auf Frauen, Weiße auf Andersfarbige, Arme auf Reiche, Politiker auf ihre Wähler, wenn die sich gegen sie wehren, Brüsseler Kommissare auf Europäer, Muslime auf Christen, evigelische Christen auf kathalaunische und so weiter. Das Glück bleibt dabei für alle auf der Strecke und soll mit System-Lottoscheinen in Geldform angelockt werden. Aber das klappt nicht; denn oft fängt mit Geld das Unglück erst an.

Ja, wenn jedem eine Chance gegeben würde, sein Schmiedeglück überhaupt zu versuchen, dann wäre schon viel erreicht. Aber es sollte eine Chance sein, die zu ihm paßt und die er nutzen kann. Braucht ein Handwerker das Abitur? Muß ein Studierter als Portier oder Taxifahrer versuchen, Geld zu  verdienen?

Ich weiß es nicht, und andere wissen es auch nicht besser, vor allem, wenn sie sich als Politiker mit Bildung beschäftigen. Bildung bringt nämlich nicht in kurzer Zeit viel Geld, sondern kostet Geld. Wenn Menschen zu gut (aus)gebildet sind, schauen sie den Machern genauer auf die Finger und auf die Hände, in die Lobbyisten immer das Geld legen. Schon wieder dasselbe Problem.

Wünsch doch, bitte, uns allen viel Glück, wie man es noch zu Deiner Zeit verstand!


 


 


 

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen


 

Ach, Oma, Du ahnst ja nicht, was alles mit unserer Sprache gemacht wird!

Nicht nur, daß Hearing etwas Anderes ist als der Fisch nach der Rechtschreibreform und nur „Anhörung“ heißt, sondern auch sonst. Das war ja nur Denglisch, ganz normal.

Aber nun geht es ans Eingemachte, an die Konserven, an das Konservative – ans Lateinische.

Du hast ja damals als eine der Ersten schon Dein Latinum gemacht und wärest sicher genauso amüsiert wie wir, die noch ein bißchen Ahnung davon haben.

Es gibt immer mehrWörter, die aus dem Lateinischen geborgt (geguttenbergt) werden, damit keine Sau versteht, was damit gemeint ist.

Die neueste dieser Mißgeburten heißt „Prokrastination“.

Lego kennst Du ja noch. Bausteinchen, mit denen wir immer gespielt haben. Aus solchen Steinchen ist auch das neue Fremdwort zusammengesetzt. Es dauerte ein wenig, bis ich sie auseinandernehmen konnte:

cras heißt auf lateinisch morgen

pro ist die Vorsilbe für, vor, anstatt, vermöge, kraft und noch so manches Andere.

Prokrastination ist dann wohl so etwas wie „Vermorgenung“ oder „Vorvermorgung“. Crass, nicht?

Aufschiebung wäre natürlich natürlicher – aber halt zu deutsch und zu verständlich.

Ach ja - „Pro!“gibt es auch noch als Interjektion (Zwischenruf) in der Bedeutung

                                     o!, ach!, wehe!

Und das trifft die ganze Sache wohl am besten, oder?


 


 

Ratschlagabtausch

 

 

Liebe Oma -an gleich zwei deiner Sprüche muß ich in letzter Zeit sehr oft denken:

"Da ist guter Rat teuer" und "Kommt Zeit, kommt Rat".

Neuerdings kommt oft Unrat, und der kommt uns noch teurer zu stehen. Auch Verrat gibt es an allen Ecken und Enden.

Unternehmen lassen sich beraten und zahlen viel dafür. Banken beraten ihre Kunden, und dieser Rat kommt mit der Zeit am teuersten.

Bei den Landesbanken - deshalb heißen die so - breitet sich der teure Rat über das ganze Land aus.

Nein, Landrat ist was Anderes.

Und manche Chefs der Landesbanken sind richtig komisch. Die wollen für den Unrat, den sie gemacht haben, noch belohnt werden. Aber einer von denen macht auch Nonnen. Wie das geht, weiß ich nicht.  

Vielleicht hat er ja bei der Vatikan-Bank gelernt.

Alle meine Freunde und Bekannten können das auch nicht verstehen. Nein, ist schon in Ordnung.

Zu deiner Zeit kam das noch nicht vor. Früher hießen die Banken meistens Sparkasse oder Spar-und Darlehnskasse. Da konnten die Leute sparen und sich auch mal Geld leihen für ein Haus. Das konnte man sich leisten, und mit der Zeit gehörte einem dann das Haus auch irgendwann.

Kommt Zeit, kommt Haus.

Aber heute gehören immer mehr Häuser den Banken, weil die Hypotheken an andere verkaufen. Und die neuen Gläubiger fordern dann von den Häuslebauern das Geld auf einmal zurück.Aber die können das natürlich nicht auf einmal bezahlen.

Und dann gehört das Haus der Bank.

Daher sagt man auch Hausbank.

Wie das alles kommt? Ich weiß es nicht. Aber es ist alles legal, und das ist das Schlimme daran.

Die Banken lassen sich von Juristen gut beraten, und die Volkszertreter machen dann ein Gesetz, das dazu paßt.

Kommt Rat, kommt Geld...


 


 


 


 


 

Viele Köche verderben den Brei


 


 


 

Tja, liebe Oma, das war einmal.

Heute genügt schon einer, wenn er Roland heißt, südlich von uns Ministerpräsident ist und gelegentlich gehessische Bemerkungen von

sich gibt. Einmal hat er "brutalstmögliche Aufklärung" gesagt, aber nichts

damit gemeint. Gemein, nicht?

Aufklärung ist gut. Aber brutalst ist unmöglich, das denkst du doch sicher auch.

Da war schon mal so ein ministerialer Vorsitzender, der hieß Oskar.

Nein, nicht der Matzerath mit der Blechtrommel. Der konnte ja Glas

zersingen. Dieser andere Oskar konnte Blech reden, und daher saar er auch bald kein Land mehr...


 


 


 


Eigener Herd ist Goldes wert


 

Weißt du noch, liebe Oma, wie wir uns über den Brei-Verderber Koch unterhalten haben, der das ganz allein konnte? Jetzt hat er einen neuen Herd, auf dem er noch besser abkochen kann.Er ist nämlich jetzt Chef bei einer ganz großen Baufirma. Die ist tüchtig und schafft ordentlich was weg. Zum Beispiel in Köln hat sie das Stadtarchiv mit ganz vielen Unterlagen einfach verschwinden lassen in einem U-Bahn-Tunnel, den sie gerade baute. Da ist der Koch in seinem Element: Untergrund, Verschwindenlassen, brutalstmögliche Auf- und Abklär-Werke. In dem Brei mag keiner mehr mitrühren, denn er ist ziemlich ungenießbar...


 


 


 

Unrecht Gut gedeihet nicht


 

Ach, liebe Omi, jetzt müssen wir mal herzlich lachen! Nein, nicht über dich natürlich. Wir denken nur daran, wie ehrlich die Leute damals wohl gewesen sein müssen, die so etwas sagen konnten. Heuschrecken waren für dich noch geflügelte Insekten. Heuer verstehen wir darunter Leute, die vor nichts zurückschrecken. Und das Einzige, was bei denen noch fliegt, sind Arbeitskräfte. Als in Düsseldorf der Esser zum Vielfraß wurde, guckten viele Mannesmännchen in die Röhre, und ein Gewerkschafter nahm sie kräftig in den Zwickel. Und der Gentleman wußte, vodafone das kam. Aber Stockfischs Schrecken-Taufe müntete immerhin in gefühlte Empörung der getroffenen Betreffenden. Heute sagen wir: 

Unrecht gedeihet gut!


 


 



 


 

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr


 

Märchenhaft - wie du es uns vorgelesen und erzählt hast, liebe Oma.

Und die Geschichte vom Häkchen, das sich beizeiten krümmen sollte, um ein Beamter werden zu können, fällt uns dabei auch wieder ein.

Aber heute ist das alles irgendwie anders. Anders gemeint und auch ausgedrückt. Da hat mal ein Politiker gesagt, seine Partei wolle die "Lufthoheit über die Kinderbetten" haben. Findest du das nicht auch blöd? Der mal die Lufthoheit haben wollte, war ein prominenter Nazi und hat euch ganz schön in die Sch...eune getrieben, weil die anderen die Hoheit hatten und euer Haus kaputtgemacht haben. Aber heute darf ein Politiker das wieder sagen. Nur die Eva Herman haben sie plattgemacht. Die hat was gesagt und sieht besser aus als unsere Kanzlerin. Und das ist unverzeihlich, beides.

Der Komiker Ingo Appelt - du weißt schon, der mit dem Mephisto-Zipfel auf der Stirn - hat mal gesagt: "Man kann ja gegen die Merkel sagen, was man will, aber: Hochgebumst hat die sich nicht." Ja, frech. Er hätte von dir keinen Pudding gekriegt.

Aber nun wird ja alles besser. Hänschen wird von der Abnabelung bis zur Abnadelung lückenlos überwacht werden. Gut zu wissen. Wir freuen uns darauf, öfter vom Staat Besuch zu bekommen. Und das wird ja auch Steuergelder einsparen. Die Damen vom Jugendamt können dann gleich unsere Computer-Ausrüstung in Augenschein nehmen - Modem links an der Wand unter Wohnzimmerfenster 1, Router separat auf Hocker in Ecke.

Es erspart unserem Innenminister längere Wege, und das gönnen wir ihm ja auch. Von der Krippe, über die Vorschule bis hin zur Einschulung. bieten sich Impftermine an, Winz-Implantate anzubringen, mittels derer sich später Fernbleiben vom Unterricht, Aufenthalt in Dealer-Zonen etc. über GPS mühelos nachweisen lassen.

Die Kinder unserer Ministerin für Familie und "Gedöns" (so Putins prominentester Gasableser, als er noch Kanzler war) sind aus dieser Phase heraus- (oder hinaus?)gewachsen. Gut.

Oma, ich weiß nicht, ob du das verstanden hast. Ich glaub's ja selber kaum, aber das ist mein Problem. Laß trotzdem deine Wolke nicht schwarz werden. Wir sorgen schon dafür mit unserem Zeh-Oh-Zwo-Ausstoß. Aber laß erst mal die Inder und Chinesen so richtig autogeil werden...


 


 


 

                                                                                                                        

 

 

 

Müßiggang ist aller Laster Anfang                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          

Auch das, liebe Oma, stimmt leider nicht mehr. Heute ist die Stoßstange aller Laster Anfang.

Nanu, wirst Du jetzt denken - wie merkwürdig. Stoßstange und Laster? Trinken, Rauchen und alle möglichen anderen "schlechten Angewohnheiten" habt ihr damals damit gemeint. Klar, das Laster. 

Aber hier steht zur Debatte  "der Laster", der Lastkraftwagen, der LKW. Du erinnerst Dich sicher noch an den alten Bahnhofsspediteur Kramer, der immer die sperrigen Sachen vom Güterbahnhof geholt  und dann bis vor die Haustür gebracht hat. Wenn Du ihn mal triffst, wird er Dir erzählen von seiner ausgestorbenen Branche.

Es gibt nämlich kaum noch Güterbahnhöfe, weil die Börsenzuhälter die Bahn seit Jahren an die Börse zu verkuppeln versuchen. Viele Güter, die auf die Bahn gehören, werden heute mit Lastern über die Straßen geschickt, und dabei sind auch "Gefahrgüter" wie Chemikalien, die bei einem Unfall auslaufen und verdammt gefährlich werden können. Hinten an den LKW ist ein Schild angebracht, auf dem in einer Geheimbotschaft zu lesen ist, was sie geladen haben. Versteht natürlich keine Sau, aber das ist auch gut so.

Nun rollen also wahnsinnig viele solcher Ungetüme über unser Straßennetz, und jedes davon richtet soviel Schäden an wie 50.000 PKW. Ja, Du hast richtig gehört. "Krass", würden Deine Urenkel jetzt sagen.

Natürlich haben das irgendwann auch unsere schnarchigen Politiker gemerkt. Die wachen immer erst auf, wenn es um Geld geht. Und deswegen haben sie die LKW-Maut eingeführt.

Aber das ging so umständlich und hat so lange gedauert, daß sich unsere Nachbarländer schier schlapp gelacht haben.

 Irgendwann flossen dann doch Einnahmen. Aber nicht genug, weil die Straßen immer voller und immer schlechter wurden. Und da kam dann ein Typ aus Südpreußen auf die Schnapsidee, auch die PKW-Fahrer abzumelken mit einer Maut, obwohl die doch schon durch etliche Steuern gepiesackt werden. Und außerdem gibt das wieder Ärger mit den Kettenhunden aus Brüssel. Sei froh, Oma, daß Du mit dem ganzen Kram nichts mehr zu schaffen hast. Kommst Du eigentlich noch aus dem Kopfschütteln und an-die-Stirn-Tippen heraus?

Die Laster sollen übrigens noch länger und schwerer werden, damit sie noch mehr Schaden anrichten können. Denn das schafft Arbeitsplätze (im Straßenbau), kurbelt den Umsatz der Autoindustrie an und senkt die Unfallzahlen, weil die PKW in den Staus nicht mehr so rasen können.

Eigentlich doch alles paletti - und wenn ich mir das jetzt noch mal überlege, dann ist an den Lastern doch mehr dran als die  Stoßstange, mit der sie anfangen. Sie haben ja auch hinten noch eine. Aber die paßt nicht mehr hierher...                                                                                                                              

 

 

 

 

 


 


 

Papier ist geduldig 

 

 

                                                    


 


 


Ja, liebe Oma - Papier muß wirklich geduldig sein, wenn man bedenkt, wie  es aussieht, wozu man es verwendet und was schließlich wieder daraus wird.

Eigentlich müssen auch all die Bäume geduldig sein, aus denen Papier gemacht wird. Und traurig; denn sie kann man nicht wiederherstellen. Sie sind tot für alle Zeit.

Aber die Geduld des Papiers ist ja nicht nur so gemeint. Wenn man darauf schreibt, dann ist es dem Papier ganz egal, was da am Ende steht. Papier kann viel, aber nicht lesen. Und wehren kann es sich auch nicht. Deswegen darf man es aber nicht beschimpfen, wenn zum Beispiel so etwas wie die BLÖD-Zeitung darauf gedruckt worden ist. Genau so wenig  kann sich der beleidigte tote Fisch beschweren, wenn er darin eingewickelt worden ist.

Mit dem anderen Spruch, den wir auch mal von Dir gehört haben, wollte man wohl dem Papier einen kleinen Orden verleihen: „Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“. Kann man; aber das Papier verliert seine Geduld ja nicht, und deshalb ist eine solche Ehrung eigentlich unverdient.

Aber die Leute, die etwas raufgeschrieben haben, können ordentlich verdienen. Und zwar, wenn sie ganz viel drauf drucken, und das dann auch in ganz kleinen Buchstaben. Du hättest die auch mit Deiner letzten Brille nicht mehr lesen können. Und Du hättest auch nicht mehr die Geduld gehabt, alles durchzulesen. Wir Jüngeren haben meist nicht genug Zeit. Und die , die das Papier bedruckt haben, wissen das genau. Und wenn man so ein Papier, zum Beispiel einen Vertrag, erst einmal unterschrieben hat, dann stehen das Kleingedruckte und die Unterschrift auch nach ganz langer Zeit noch immer da - unverändert. Denn Papier ist  ja …  -  wie gesagt…

 

 

   

Überlaß das Denken den Pferden – die haben ein größeres Hirn



Das hast Du immer gesagt, wenn wir anfingen: „Ich denke aber...“ .

Wir fanden das selten witzig und zogen meist eine Schnute, wenn der Satz mal wieder gefallen war. Na ja, bald war alles wieder gut; denn wirklich böse konnten wir Dir nicht sein – ebenso wenig wie Du uns. Und mit der Zeit begriffen wir auch, daß Du uns nicht wirklich das Denken verbieten wolltest, sondern uns zum Nachdenken anleiten. Das ist ein großer Unterschied, wie wir heute wissen.

Heute hört man weniger oft „Ich denke“. Meist heißt es „Ich meine“.

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, deshalb steht sie ja auch im Grundgesetz – ganz fest verankert. Und was man schwarz auf weiß besitzt..., kann man auch benutzen.

Und wenn das Meinen so oft benutzt wird wie heute, dann wird es abgenutzt und ist irgendwann statt barer Münze nur noch ein labberiger Fünf-Euro-Schein, den jeder Kiosk-Besitzer argwöhnisch beäugt, wenn man damit bezahlen möchte.

Geäußerten Meinungen sieht man oft nicht an, daß sie das Ergebnis eines Nachdenkens sind. Und um das Denken mithilfe eines größeren Gehirns bei den Pferden ging es doch bei Deinem Spruch, nicht wahr?

Es gibt eine Menge Großkopfete, denen wir gerne ein entsprechendes Gehirn zutrauen; aber sehr oft werden wir enttäuscht. Am großen Kopf ist nur das Mundwerk maßgerecht dimensioniert, und dessen Lautstärke ist überproportional.

„Wer schreit, hat unrecht“, hast Du auch oft gesagt. Daran denke ich, wenn ich Politiker reden höre, die meistens an bestimmten Stellen besonders laut reden und mit den Händen herumfuchteln, als wollten sie schnell irgendetwas wegschieben, umräumen oder jemandem an die Gurgel gehen. Ich finde das immer recht albern und glaube dann noch weniger von dem, was sie sagen. Sie meinen, ohne vorher nachgedacht zu haben, und was sie von sich geben, ist dann eine veröffentlichte Meinung – mehr nicht. Wer glaubt, in seinem Schädel ein Pferdehirn zu beherbergen, der vergaloppiert sich einfach, so ist das wohl. Und dann sollten wir solchen Leuten auch nicht das Denken überlassen – vor allem, wenn wir merken, daß sie nicht nachgedacht haben...